Samstag, 1. Februar 2014

[persönliches] Beruf und Familie vereinbar?

Hallo Ihr Lieben,

ich muss mir jetzt mal gerade etwas Luft machen.....
Ich sitze heute morgen bei meiner ersten Tasse Kaffee und bin noch gar nicht richtig wach - da kommt der Zustelldienst der Kommune und wirft mir einen Brief ein. Nach dem Öffnen wurde ich dann schlagartig hellwach.... Und war auf 180....

Juche - wir dürfen mal wieder mehr bezahlen..... Durch die Arbeitsaufnahme des Herzmannes, werden natürlich die Elternbeiträge angepasst....Damit habe ich ja gerechnet - allerdings das Beiblatt zu diesem Bescheid hat mich mal wieder vor Wut schäumen lassen....

Es gibt da 1, 2, 3 Gruppen von Eltern, die keinerlei Beiträge zahlen müssen und/oder nur den Mindestbeitrag. Klar, dass sind alles die Familien, die einkommensschwach sind....

Aber, mal im Ernst - es kann doch nicht sein, dass eine Familie, so wie unsere, die ein geregeltes Einkommen hat und frei von öffentlichen/sozialen Leistungen lebt, dafür permanent bestraft wird.....

Ich höre nur noch zahle dies, überweise das, jenes wurde erhöht.....

Ich habe so oft ein schlechtes Gewissen, meinen Kindern gegenüber, weil ich böse Rabenmutter in Vollzeit arbeite. Viele Veranstaltungen in Kindergarten und/oder Schule kann ich nicht mitmachen, weil ich einfach nicht genügend Urlaubstage/Überstunden habe. Glücklicherweise ist der Herzmann im Schichtdienst tätig und meine Mutter "nur" in Teilzeit beschäftigt, so dass diese Beiden viele Termine auffangen können. Weiter ist es ja nun so, dass wir auf dem Land leben, noch dazu ziemlich katholisch... Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich schräg angesehen werde, weil ich permanent sagen muss: sorry, ich kann nicht helfen/kommen/whatever, weil ich arbeiten muss.... Und von der Frage "Wie, Du arbeitest Vollzeit" bekomme ich Plaque.....

Wir sind nun mal beide keine Fans auf Kosten der Allgemeinheit zu leben. Daher habe ich, bedingt durch diverse verschiedene Umstände, bereits ein Jahr nach der Geburt des kleinen Prinzen wieder begonnen in Vollzeit zu arbeiten. Ich selber arbeite im Bereich der öffentlichen Verwaltung, und kann es nicht ertragen Antragsteller zu sein - ich bin Sachbearbeiter.....

Ich weiß, dies zu pauschalisieren, ist völlig für den Hintern. Ich weiß auch selber, dass es viele Personen gibt, die auf Leistungen angewiesen sind und nichts dafür können. Diesen Leuten mache ich keinen Vorwurf! Ich ärgere mich in erster Linie nur darüber, dass ich permanent irgendwo zur Kasse gebeten werde, zudem diverse Termine in den "öffentlichen Kindertageseinrichtungen" so ausgelegt sind, dass es für mich unmöglich ist, daran teilzunehmen..... Noch kommt hinzu, dass ich mal grob gezählt habe und allen ernstes 35 Urlaubstage bräuchte, um alle Schließtage (Ferien, Brückentage, etc.) abzudecken... Hallo??? Geht es noch????? Wer hat in Gottes Namen so viel Urlaub???? Es gibt ja nun wohl auch genügend alleinerziehende Eltern. Zudem sind die Betreuungzeiten auch noch zum davonlaufen... Kindergarten: 7.00 Uhr bis 16.00 Uhr, Schule 7.45 Uhr bis 16.00 Uhr... So, wer jetzt fix rechnet, wird sehen, dass dies kaum machbar ist, für Menschen die in Vollzeit arbeiten. Den Hohn in Tüten an der Sache finde ich persönlich, dass mein Dienstherr auch gleichzeitig derjenige/diejenige ist, die diese Gebühren erhebt und im Großen und Ganzen auch die Zeiten festlegt.... Im Umkehrschluss sagt mein Dienstherr bzw. des entsprechend anzuwendende Gesetz mir aber auch: 41 Stunden pro Woche sind zu arbeiten und die Kernarbeitszeit endet um 16.00 Uhr.... Noch Fragen???

Ich stelle mir ernsthaft die Frage - wie soll das eigentlich funktionieren??? Deutschland braucht mehr Kinder! Aber, wenn man sich meinen oben angeführten Erguss mal zu Gemüte führt, fragt sich doch jeder rational denkende Mensch - wie um Himmels Willen soll das funktionieren???? Vorausgesetzt, Hartz IV ist keine Option????

Und dann denke ich an Montag, da werde ich wieder in meinem Büro sitzen... werde den Kopf über die wilden Geschichten meiner Kunden schütteln, und denken: willkommen bei Assi-TV live.....

So, jetzt habe ich mich zur Genüge ausgek****.

Ich wünsche Euch allein ein stressfreies, entspanntes Wochenende!

Anke

Kommentare:

  1. Ich kann dich gut verstehen, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht - sie wird vom Staat einfach nur furchtbar mangelhaft gefördert und ein paar Euro mehr Kindergeld o.Ä. bringen da nichts, wenn das Betreuungssystem und die Arbeitswelt sich nicht annähern.
    Ich würde mir allerdings nochmal überlegen, ob ihr wirklich nicht "auf Kosten der Allgemeinheit" lebt - solche Äußerungen finde ich nämlich immer hoch problematisch ;) Oder benutzt ihr nicht die öffentlich finanzierten Straßen, Krankenhäuser, usw.? Und bist du nicht auf eine öffentliche Schule und Uni gegangen? Mit anderen Worten: Ihr seid Teil der Allgemeinheit!

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  2. Liebe Lissi,
    natürlich bin ich bzw. sind wir ein Teil der Allgemeinheit.
    Ich habe meine Worte mit Absicht ein bisschen so gewählt... Weil ich genau einen solchen Austausch, wie den mit Dir, damit provozieren wollte.
    Natürlich, ist diese Wortwahl, genau betrachtet nicht richtig - aber ich denke dennoch, dass meine Aussage ankommt. Ich möchte nicht, solange ich die Wahl habe, von sozialen Geldleistungen abhängig sein. Ich möchte, für mich, für meine Familie, lieber ein Teil der Allgemeinheit sein, der etwas gibt - etwas für die Allgemeinheit tut - statt nur zu nehmen ;-)
    LG

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